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Kurzer Knarren-Nachtrag

Frank hat tollerweise ein Bild von der Knarre neben dem Puppenwagen gemacht…

Hier kommt’s:


Melken

Eine Sache, die ich auf der Goatspride Farm gelernt habe, ist das Melken. Ich habe davor noch nie irgendein Tier gemolken, daher war die Erfahrung total neu für mich. Zum einen war ich erstaunt welche Schritte man einhalten muß um Milch verkaufen zu dürfen und zum andern war ich erstaunt, wie schwer es ist, Milch aus einer Ziege zu bekommen.

Erstmal zu den einzelnen Schritten. Man fängt an alle Ziegen zusammen zu treiben. Das geht ganz einfach wenn die Ziegen einen kennen und wissen: auf diesen Menschen sollte ich eher hören. Es ist extrem kompliziert wenn die Ziegen einen nicht kennen und erstmal ausprobieren was man wohl so tut wenn sie nicht hören. Daher war mein zweites mal melken ziemlich schweißtreibend – meine Aufgabe war es die Ziegen zu sammeln. Zum Glück gewöhnen sich Ziegen ziemlich schnell – beim vierten und letzten mal melken sind sie fast von alleine los gegangen. Hat man alle versammelt, lässt man ein paar (in unserem Fall zehn) in den Raum zum melken. Wenn zu viele durch die Falltür gekommen sind muß man sie wieder zurück treiben. Auch ein wunderbarer Spaß… Dann wäscht man ihnen den Euter. Es ist schon erstaunlich wie dreckig die in einem halben Tag werden. Danach geht es los mit dem anmelken. Aus jeder Zitze muß ein wenig Milch raus gepresst werden damit man sieht ob die Milch gut ist. Diese Milch wird nicht verkauft, sondern wird an die Katzen verfüttert. Das Anmelken ist der schwerste Teil, da die Milch noch nicht fließt und alles noch geschlossen ist. Bei meinem ersten Versuch hatte ich ziemliche Probleme. Dann kommen die Ziegen an die Melkmaschine, danach darf man sie fertig melken. Das war für mich immer der schönste Teil beim melken.

Denn da kommt sogar bei einem blutigen Anfänger immer etwas Milch heraus. 🙂

Zum melken muß ich sagen dass ich ganz falsche Vorstellungen hatte wie man melkt. Ich dachte immer man drückt und schiebt nach unten, das stimmt aber so überhaupt nicht (zumindest nicht bei Ziegen). Hier ist es vielmer so, dass man oben direkt an der Stelle an der die Zitze anfängt den Milchkanal abdrückt und dann indem man die restliche Finger zur Faust schließt die Milch herauspresst. Das wiederholt man bis keine Milch mehr kommt. Hört sich einfach an ist aber ziemlich anstrengend für die Hände und braucht einige Übung. Beim letzten Mal hatte ich dann den Eindruck jetzt kann ich es endlich. 🙂

Nachdem die Ziegen gemolken sind werden die Euter mit irgendwas antibakteriellem eingesprüht damit die Ziegen nicht krank werden. Es dauert wohl ca. eine Stunde bis sich der Euter wieder komplett schließt.


Abartigkeiten

In unserer Zeit auf der Ziegenfarm gab es zwei Abartigkeiten.  Die eine ist die Art wie Kuchen gebacken, bzw. verziert werden. Hier werden Kuchen nicht gebacken und dann mit Schokolade und Gummibärchen verziert, nein hier werden Kunstwerke angefertigt. Das Kunstwerk, welches wir essen durften, ist der Pick-Up-Truck des Familienvaters.

Die Details haben uns sehr beeindruckt. Räder, Stoßstangen sogar Seitenspiegel hat das Auto. Clarissa backt solche Kunstwerke ziemlich häufig – wir haben ein paar Fotos gesehen. Es ist sehr beeindruckend wie kreativ man mit Kuchen sein kann. 🙂

Die andere Abartigkeit war gestern morgen. Wir saßen beim Frühstück, dann läuft ein schwarzes Eichhörnchen vor unserem Fenster vorbei, der Vater springt auf und holt seine Flinte um es abzuschießen. (Die schwarzen Eichhörnchen sind hier nicht heimisch und vertreiben die einheimischen Eichhörnchen, daher versuchen die Leute ihnen Einhalt zu gebieten…) Das Eichhörnchen war natürlich, bis der Vater mit seiner Flinte da war, schon längst verschwunden aber die Flinte lehnte für den Rest des Morgens griffbereit neben dem Frühstückstisch.


Besuch aus Freiburg

Die letzten Tage hatten wir Besuch von Freunden aus Freiburg. Frank und Claudi wollten die Rocky Mountains anschauen und haben sich gedacht dass sie noch einen kleinen Abstecher zu uns machen könnten. So haben wir einen tollen, leider nicht ganz so sonnigen, Dienstag zusammen verbracht. Das Bed and Breakfast wo sie untergebracht waren hatte ein riesiges Gehege mit Alpakas. Diese waren dafür zuständig den Rasen zu mähen. Aber unseren kleinen Snack haben sie sich, trotz des vielen saftigen Grases, dennoch nicht entgehen lassen:

Allerdings war nicht immer ganz klar wer hier eigentlich mehr Angst vor wem hat :):

Nach einem super entspannten Tag mussten wir unsere Freunde leider wieder Richtung Seattle verabschieden. Hoffentlich kommen unsere Freunde und Grüße gut in Freiburg an.

Es war richtig schön Freunde aus der Heimat da zu haben. Wir freuen uns auf mehr Besuch. 🙂


Joghurt

Heute habe ich bei der Herstellung von Joghurt geholfen. Wir haben drei verschiedene Sorten gemacht: Natur, Vanille und Heidelbeere. Angefangen haben wir mit dem Heidelbeer-Joghurt. Alles beginnt mit einem riesigen Topf Ziegenmilch:

Damit sich aus der Milch Joghurt bildet, werden Joghurt-Kulturen in den Behälter hinzugefügt und die Milch auf eine bestimmte Temperatur gebracht (um die 45°C). In der Zwischenzeit kann man sich um die Heidelbeeren kümmern. Sie kommen von einer Farm ein paar Häuser weiter. Die Heidelbeeren werden gekocht und dann noch ein bisschen Zucker hinzugefügt. Am Ende hat man einen Topf mit schöner Heidelbeer-Soße:

Diese wird in Joghurtbecher gefüllt, eine Kelle pro Becher:

Hat die Milch dann ihre gewünschte Temperatur erreicht und die Kulturen sich schön verteilt, wird die Milch in die Becher auf die Soße drauf gefüllt:

Das macht in diesem Fall der Käsemeister Jason. Danach kommt der Deckel drauf und der Becher wird versiegelt:

Dazu nimmt man diese Plastikringe, zur Linken, und schrumpft sie mit dem Fön, zur Rechten, sodass der Deckel fest sitzt. Anschließend geht’s in den „Ofen“:

Hier wird der Joghurt für zwölf Stunden bei einer Temperatur von 40°C – 50°C gelagert. Er reift hier also im Joghurtbecher. Nach dieser Zeitspanne ist der Joghurt fertig und kann verkauft werden:

Dieser Becher mit 650g Ziegenmilch-Joghurt kostet ca. 7$. Dafür ist aber auch nur das drin was rein gehört: Joghurt, Heidelbeeren und ein bisschen Zucker. Auf Gelier- und Verdickungsmittel sowie andere Mogeleien wurde hier verzichtet.


Nordamerikanischer Südschwarzwald

Vor zwei Tagen gab es Nachwuchs auf unserer Farm. Die schwangere Katze Irma hat ihren großen Wurf gelandet. Es gab vier kleine Kätzchen:

Die Kätzchen sind winzig und haben noch geschlossene Augen. Das wird die nächsten zwei Wochen auch noch so bleiben.

Gestern haben wir einen Sonntags-Spaziergang gemacht. Wenn man hier so rumläuft könnte man gerade meinen man befindet sich im Schwarzwald. Es gibt Pferde:

Und es gibt Traktoren die Heu machen:

Es gibt hier sogar Schwarzwaldschinken (Black Forest Ham). Ist zwar was anderes wie der bei uns, aber immerhin: der Name stimmt. Nur Mt. Baker im Hintergrund erinnert einem daran dass man sich hier in Nordamerika befindet:

Wer entdeckt den Berg zwischen den Wolken?


Käse

Vorgestern habe ich mitgeholfen Käse herzustellen.

Alles beginnt mit Milch. In unserem Fall Ziegenmilch. Wir haben zwei große Metalbehälter mit Milch gefüllt, etwas Lab und Bakterien hinein gegeben und schon nach einer Stunde hat sich was Festes von der Molke getrennt. Und das weiße Käse Vor-Produkt muß geschnitten werden. Dann wartet man wieder eine Stunde und rührt alles um. Das wiederholt man ein paarmal.

Man muß umrühren, damit der Käse nicht total bröcklig wird, bzw. es harte Klumpne gibt. Interessanterweise ist das Umrühren total einfach – es rührt sich wie Milch. Nach ca. 4-5 Stunden können wir unseren Fetakäse von der Molke befreien. Dafür schöpfen wir die Molke ab.

Damit wir nicht ausversehen Käsestückchen mitabschöpfen, wird die Molke durch ein Nudelsieb gesiebt. Alles was im Sieb hängen bleibt ist Käse und muß zurück in den Metallkontainer. Die Molke wird zum Teil weiterverarbeitet zu Ricotta-Käse, zum Trinken verkauft, den Schweinen zum fressen gegeben und ein Teil wird dazu verwendet den Feta darin einzulegen.

Wenn möglichst viel Molke abgeschöpft ist geht man mit den Händen durch die Käsestückchen und zerkleinert zu große Stücke.

Hat der Käse die richtige Körnung schöpft man ihn in das Nudelsieb, läßt den Hauptteil der Molke ablaufen und füllt ihn dann in Kästen um den Käse zu formen.

Hier darf der Käse jetzt erstmal stehen und alle restliche Molke läuft ab. Nach einer Weile dreht man den Käse. Auch dieser Vorgang wird mehrfach wiederhohlt. Dadurch bekommt der Käse seine Dichte und ist nicht mehr so körnig.

Nachdem der Käse über Nacht geruht hat wird er in Molke mit viel Salz eingelegt. Sechs Tage später ist der Feta dann schon fertig.

Zwischen all diesen Arbeitsschritten wäscht man Geschirr und die Bottiche.

Geschirr waschen läuft hier etwas anders ab als zu Hause. Zum einen muß alles vorgewaschen werden, damit kein Käse und keine Milch mehr an den Sachen ist, dann wird es in extrem heißem Seifenwasser gewaschen. Um sich nicht zu verbrennen trägt man zwei paar Handschuhe übereinander. Danach kommt alles in ein Spülbecken mit säurehaltigem Wasser damit die Seife wieder restlos weggewaschen wird. Dann darf man es naß, und nur naß, in den Schrank stellen. Da wartet es dann auf die nächste Benutzung vor der es natürlich desinfiziert und mit klarem Wasser abgespült wird. All das sind Hygiene-Bestimmungen die man einhalten muss. Dass das Desinfektionsmittel mit Wasser wieder abgespült wird ist ein Bio-Ding…

Eine andere sehr erstaunliche Feststellung war für mich wie wenig Käse man aus so viel Milch gewinnt. Im Schnitt bekommt man gerade mal 11,5kg Käse aus 100kg Milch. Das ist, finde ich, echt nicht viel und ich wundere mich nicht mehr warum Käse hier so teuer ist.