Archiv der Kategorie: Kulturschock

Sprachverwirrung

Wir müssen zugeben dass wir in den letzten Wochen immer wieder überrascht waren, wie unterschiedlich die Englische Sprache sein kann, je nachdem wo man sich befindet. Das Kiwi-Englisch in Neuseeland hat für uns doch eine gewisse Herausforderung dargestellt. Nicht nur die Aussprache ist recht unterschiedlich zum Nordamerikanischen Englisch, auch die Wörter unterscheiden sich teilweise. Kostprobe?

  • Kanada: shopping cart -> Neuseeland: trundler
  • Kanada: to hike -> Neuseeland: to tramp
  • Kanada: trail -> Neuseeland: track

Die Australier verstehen wir etwas besser. Aber auch hier gibt es jede Menge lustige Wörter wie z.B. „sunnies“ und „barby“, was sunglasses und barbecue bedeutet. Überhaupt wird hier so ziemlich alles verniedlicht. Ein bisschen wie am Kaiserstuhl. So heisst das Frühstück z.B. „breaky“ und Tasmanien nennt man liebevoll „Tasie“. Zur Begrüßung fragt man nicht „how are you doing?“ oder „how is it going?“, sondern die Mischung aus beiden: „how are you going?“. Aber das beste sind die Flip-Flops. Die heissen hier „thongs“ – das dürfte wohl so ziemlich alle Nordamerikaner zum Schmunzeln bringen. Dort versteht man darunter nämlich ein knappes Damenhöschen.


Grüne Täler und hohe Wasserfälle

Gestern haben wir Captain Cook verlassen, um wieder nach Hilo zu fahren. Auf dem Weg dorthin haben wir noch ein paar interessante Stops eingelegt. Die erste Station war das Waipio Valley, ein grünes Tal in dem anscheinend noch viele Hawaiianer in ursprünglichen Verhältnissen leben:

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Waipio Valley as seen from the Waipio Valley Lookout

Vom Aussichtspunkt (Waipio Valley Lookout) führt eine sehr steile Straße ins Tal herunter. Da diese Straße jedoch nur von Allradfahrzeugen befahrbar ist, sind wir die Straße zu Fuss gelaufen. Nach ein paar Kurven bekommt man eine  bessere Aussicht auf das Tal:

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We hiked down the „steepest road of the USA“ a bit to have a peek around the corner and see more of the Waipio Valley

Wenn man die Straße bis zum Ende geht, kann man an einen scharzen Sandstrand gelangen. Das haben wir nicht gemacht.

Stattdessen sind wir weiter Richtung Hilo gefahren. Unterwegs kommt man an den Akaka Falls vorbei. Die Wasserfälle mit dem eher unappetittlichen Namen liegen in einem recht urigen Wald:

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Tropical rainforest at the Akaka Falls

Man kann viele Tropenblüten sehen, hier z.B. die einer Banane:

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The big flower of a banana

Und dann kommt man an den Fällen selbst vorbei:

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The Akaka Falls look very impressive

Mit 135m Höhe und umgeben von lauter Grün sind sie sehr schön anzusehen.

Gestern war in den USA „Veterans Day“, ein Tag an dem man den Kriegsveteranen gedenkt. Die USA sind ja sehr stolz auf ihr Militär und deshalb ist das dementsprechend ein großes Ding. Vor ein paar Tagen haben wir in Hilo die Vorbereitungen für den Veterans Day gesehen:

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This huge American flag was pulled up by two cranes in preparation for Veterans Day. Is it the biggest American flag in the world? Probably not.

Eine amerikanische Fahne die so groß ist dass sie von zwei Kränen hochgezogen werden muss. Definitiv schwer zu übersehen.

Das geht:

  • Durch Urwald mit knallbunten Blüten und riesigen Bäumen laufen
  • Zufällig den netten Dänen von vor zwei Tagen wieder über den Weg laufen
  • Mit einem entspannten Tag in Hilo mal ein bisschen Urlaub vom Urlaub machen

Das geht nicht:

  • Leckeren Honig auf dem Bauernmarkt kaufen dar dann eine Sauerei im Gepäck macht – will noch jemand klebrige Klamotten?
  • Versuchen kurze Hosen zu kaufen und dann festzustellen dass die großen Handelsketten auf Hawaii ebenfalls „saisonal“ sind, also momentan nur lange Hosen und Winterjacken anbieten. Ob das Geschäft mit diesen Artikeln wohl gut läuft, bei fast 30°C im Schatten?
  • Im Laden nach der Sozialversicherungsnummer gefragt werden

Sprachpanscher

„Tut mir leid, Herr Müller ist gerade in einem Meeting“. „Ich geh‘ noch kurz zum shoppen in die Stadt – bei H&M ist gerade ein Sale“. „Wir sollten einen Benchmark durchführen um zu ermitteln welchen Impact die Business-Strategie für die Stakeholder hat“. Aha. Geht das auch mit weniger Schmerzen für das Sprachzentrum? Deutsche sind astreine Sprachpanscher. Ich habe mich schon darauf gefreut dass das in Kanada anders sein wird. Hier wird es wohl kaum angesagt sein, Sätze mit anderssprachigen Wörtern „aufzupeppen“. Ha, ich habe nicht mit den Deutschen gerechnet! Diese Anzeige von VW habe ich kürzlich im Georgia Straight in Vancouver gesehen:

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„Up to 5.000$ off – Perfekt“. „Perfekt Engineering. Perfekt Price.“ Das sind sie schon wieder, diese Schmerzen.

Zu meinem Erstaunen können die Kanadier aber auch ganz gut panschen. Und zwar mit, wie könnte es auch anders sein, deutschen Wörtern. Es gibt die „Angst“, den „Kindergarten“, den „Doppelgänger“, das „Hinterland“. Ein Ferrari ist „über expensive“ und wenn jemand nießt, wünscht man ihm „Gesundheit“. Da drängt sich doch einem der Verdacht auf, die deutsche Sprache ist wie ein Billigwein aus der Mosel, den man beliebig bis zur Unkenntlichkeit verpanschen kann. Kann sich noch jemand an Schleckers „For You. Vor Ort. “ erinnern?

Auch im Artikel „Obliterate Corporate Art“, den ich kürzlich in einer alten Ausgabe des Coast Mountain Magazine gelesen habe, greift man zu meiner Muttersprache, um den Worten mehr Ausdrucksstärke zu verleihen.

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Dort fordert der Author die Kunstszene auf, sich von der Kommerzialisierung abzukehren:

„Simply make art that isn’t a brand. That ought to cause an existential crisis for the entire industry that equates art with fat-truck tourism. So let’s get this straight: No more ski/snowboard designs. No more skateboards, either. No more bug-eyed anime or washed-out watercolours. Black tusk, especially, is verboten.“

Es scheint als wären wir nicht die Einzigen, die wild Sprachen durcheinandermischen. Das gehört wohl irgendwie zum Wandel der Zeit. Es fällt mir schwer, aber ich werde lernen damit leben zu müssen – besonders jetzt, da wir bald wieder in Deutschland sind.


Da geht ganz schön die Post ab

Heute wollte ich einen Brief nach Deutschland schicken. Also bin ich zur Postecke im 7 Eleven in unserer Nachbarschaft („in da hood“) gegangen:

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Da der Brief etwas schneller ankommen sollte als sonst, habe ich den netten asiatischen Herrn am Schalter nach meinen Möglichkeiten bezüglich der Zustelldauer gefragt. Prinzipiell gab’s zwei Optionen:

  • 1-2 Wochen: 61,00$ (!)
  • 3 Wochen: 2,50$

Als ich dann meinte dass das aber ein ganz schöner Preisunterschied sei, hat er mir nur lächelnd beigepflichtet. Ok, so eilig hat es mein Brief dann doch nicht.


Zusammenwerfen und kräftig umrühren

Die Leute sind ja immer auf der Suche nach neuen Ideen. Eine gängige Methode ist, bereits Bekanntes zu mischen und damit etwas neues zu schaffen. Das funktioniert manchmal ziemlich gut. Zum Beispiel Musik: man mische Sick Of It All und Scooter und heraus kommt dabei Enter Shikari.

Mit Essen geht das auch wunderbar. Wir waren letztens mal wieder in den USA und haben von einem Mischprodukt Wind bekomment, das man bei Trader Joe’s erstehen kann:

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Es handelt sich hierbei um Schokoladenchips – also Kartoffelchips umhüllt mit Schokolade:

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Wir haben die schokoladenüberzogenen Riffelchips natürlich gleich mitgenommen und daheim getestet. Hier der erste Eindruck des Testpiloten:

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Nach einer kurzen Phase der geschmacklichen Orientierungslosigkeit kamen wir beide zum Schluss dass diese Mischung nicht so wirklich gelungen ist. Vielleicht vergleichbar mit „Hansi Hinterseer trifft Slayer“?


Cowboys und Hexenhäuser

Dieses Wochenende gibt’s einen extra Tag, da am Montag Victoria Day ist. Unsere Freunde Brandi & Kelly haben uns eingeladen das lange Wochenende mit ihnen auf einer Hütte in der Nähe von Hope zu verbringen. Hope ist ca. zwei Stunden von Vancouver entfernt und umgeben von Bergen und viel Wald:

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Im Supermarkt haben wir noch ein paar Vorräte eingekauft. Dabei bin ich über folgende Zeitschrift gestolpert:

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Mit alltagsgebräuchlichen Tipps, z.B. zum Thema „tödliche Invasionen ins eigene Heim stoppen“. Haha, das muss wohl von den Freunden aus dem Süden kommen.

Nach der Nacht in Hope bei Kelly’s Mutter ging’s dann am Samstag Morgen los Richtung Boston Bar, wo sich die Hütte befindet. Unterwegs kommt man bei Hell’s Gate vorbei, der engsten und tiefsten Stelle des wilden Fraser River:

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Nach einem Erdrutsch beim Bau der Eisenbahn wurde die Stelle so eng und die Strömung so stark, dass die Lachse Probleme hatten gegen die Strömung anzukämpfen. Deshalb wurden extra Fischmigrationstunnel am Rand des Flusses eingebaut damit die Fische diese Engstelle überwinden können. Seitdem sind die Lachsbestände im Fraser River wieder signifikant gestiegen.

Nach diesem kurzen Stop ging’s dann nach Boston Bar. Vor dem Dorf biegt man auf eine Schotterstraße ab und nach ein paar Kilometern kommt man dann auf einer urigen Ranch an:

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Dort lebt der Stiefopa von Kelly – ein echter Cowboy:

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Manchmal kommen Bären oder Pumas bei der Ranch vorbei und greifen sich Vieh. Dann holt er eine seiner zahlreichen Flinten raus und knallt sie ab. Hier das Fell eines Bären der sich mit ihm angelegt hat:

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Auf der Ranch gibt es auch Pferde:

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Nach einer kleinen Kaffeepause und vielen spannenden Geschichten ging’s dann die letzten paar hundert Meter weiter zur Hütte:

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Cool, ein windschiefes Hexenhaus mitten im Wald! Wie uns Kelly’s Stiefopa erzählt hat, haben sie die Hütte in einer Woche hochgezogen. Aber es gibt Strom und Warmwasser – nur kein Internetzugang (deshalb kommt der Bericht mit Verzögerung).


August Burns Red

Wir haben ja das Glück dass hier relativ viele gute Bands durchkommen die man in Deutschland nur sehr selten sieht, und wenn, dann sicher nicht in unserer Stadt. Im Rahmen der „Break Down The Walls“ Tour haben gestern Asking Alexandria mit August Burns Red im Vogue gespielt. Da ich August Burns Red noch nie live gesehen habe war ich schon sehr gespannt auf das Konzert.

Losgehen sollte der Abend mit Born of Osiris die jedoch nicht kommen konnten. Die nächsten an der Reihe waren die Jungspunde „Crown the Empire“ aus Dallas, Texas:

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Meine Güte, hier drüben liegt die Latte schon bei so jungen Bands extrem hoch! Geboten wurde moderner Metalcore mit einer ordentlichen Prise Pop, viel Klargesang und melodischen Hooklines. Netter Auftritt, gute Musik und sehr sauber gespielt – was will man mehr?

Danach kamen „We came as Romans“, die der Menge mit zwei Sängern ordentlich einheizten:

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Ihre Musik war stark dursetzt von elektronischen Elementen, anscheinend nennt der Kenner das „Trancecore“. Also quasi Pop mit Metalcore – vielleicht kommt das ja bald im Radio, wäre auf jeden Fall eine Verbesserung des Programms.

August Burns Red – deren Schlagzeuger Matt Greiner schon beim Setaufbau ordentlich Geschmack mit seinem Schlagzeug bewies, das locker auch als Wohnzimmermöbelstück durchgehen würde – waren die nächsten:

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Leider kenne ich nur ihr Album „Constellations“ und so fiel es teilweise etwas schwer dem musikalischen Geschehen zu folgen da die Jungs sehr schnell und technisch spielen. Ist also ein bisschen wie bei 240km/h den Kopf aus dem Fenster zu hängen – nur mit mehr Doublebass! Eine energiegeladene Show und eine sympathische Band die gute Stimmung verbreitete. Als einzige Band des Abends kamen ihre Songs ohne Elektro-Klimbim aus und waren komplett handgespielt:

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Musikalisch sind die Jungs einfach der Hammer und die live Songs mussten sich in Sachen Präzision und Durchschlagskraft in keinster Weise vor den Albumversionen verstecken. Ihren Auftritt haben sie mit „Whitewashed“ beendet, definitiv der Höhepunkt des Abends für mich. Was für eine Stimmung, was für ein Gewitter!

Dann war es Zeit für den Headliner des Abends, Asking Alexandria:

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Der Sänger hatte sich zwei BHs am Gürtel festgemacht mit denen er über die Bühne stolzierte und die Menge beschimpfte und kommandierte – und die Menge jubelte und folgte. Der Rest der Band hatte nicht viel weniger Rockstar-Allüren. Was für ein bekloppter Auftritt.

Ein interessanter Trend hier in Kanada ist übrigens der „Zweit-BH“. Den scheint man nicht nur einfach so unter dem Hemdchen zu tragen wenn man ein bisschen mehr haben möchte als man hat. Auch bei Rockkonzerten, wenn einem ein bisschen zu heiss wird und man sich deswegen des Hemdchens entledigt, ist er offensichtlich recht beliebt. „Eine seltsame Idee“, mag der Deutsche jetzt denken – und ich muss ihm zustimmen.