Monatsarchiv: Oktober 2014

27 Monate Kanada

Nach über zwei Jahren in Kanadas Südwesten geht es in ein paar Tagen wieder Richtung deutschem Südwesten. Wie ihr den zahlreichen Einträgen entnehmen könnt, hat es uns hier sehr gut gefallen und wir haben die Zeit sehr genossen. Wir haben versucht in den zwei Jahren das Beste aus der Zeit zu machen und so kanadisch wie möglich zu leben. Wir haben (fast) ausschließlich Kontakt zu Kanadiern gehabt und auch untereinander nur englisch gesprochen. Ich habe gelernt Sushi zu lieben (*räusper*) und Ursel Burger (*hüstel*). Wir haben mehr von Biritish Columbia gesehen als viele unserer kanadischen Freunde. Wir waren im wohl immigrationsfreundlichsten Land der Welt, in einer Stadt mit atemberaubender Lage und haben hier bessere Freundschaften gefunden als wir je gehofft hätten. Warum also wieder zurück? Ganz einfach: hier ist nicht unsere Heimat.

Vancouver war toll um ein Abenteuer zu erleben. Gerade weil hier so viele Kulturen zusammenkommen sind die Menschen sehr offen und freundlich gegenüber Ausländern. Menschen aus anderen Kulturen werden als Bereicherung gesehen, nicht als Belastung. Da können wir Deutsche uns mal eine ganz dicke Scheibe davon abschneiden! Und natürlich ist die Landschaft der Hammer – aber das kann ja jeder anhand der Photos selbst beurteilen. Obwohl die Weite Kanadas einem auf den ersten Blick als Freiheit vorkommt, fand ich sie doch auch etwas beengend. Wenn man mal was anderes sehen will als Vancouver, muss man sehr weit fahren oder fliegen (Seattle: ca. 3-4h mit Grenzübertritt, Calgary: 11h). Von daher konzentriert sich alles sehr auf die Stadt, besonders wenn man nur drei Wochen Urlaub hat.

Uns hat es auf jeden Fall sehr gut in Vancouver gefallen und wir sind sehr dankbar für alles was wir erleben konnten!

Das geht:

  • Die unerschütterliche Freundlichkeit und Offenheit der Kanadier
  • Die ethnische Vielfalt in Vancouver
  • Die tolle Landschaft und Natur in British Columbia

Das geht nicht:

  • Planlose Fragen über das Heimatland („How do you like the Oktoberfest?“)
  • Versuchen, mit offensichtlich nicht vorhandenen Sprachkenntnisen zu glänzen (Ich: „I’ve copied the file over to xyz“, Kollege: „Danke“)
  • Nur drei Wochen Urlaub haben

Anmerkung: Punkt 1 und 2 aus der „Das geht nicht“ Liste kamen witzigerweise hauptsächlich von anderen Ausländern, nicht von Kanadiern…


Sprachpanscher

„Tut mir leid, Herr Müller ist gerade in einem Meeting“. „Ich geh‘ noch kurz zum shoppen in die Stadt – bei H&M ist gerade ein Sale“. „Wir sollten einen Benchmark durchführen um zu ermitteln welchen Impact die Business-Strategie für die Stakeholder hat“. Aha. Geht das auch mit weniger Schmerzen für das Sprachzentrum? Deutsche sind astreine Sprachpanscher. Ich habe mich schon darauf gefreut dass das in Kanada anders sein wird. Hier wird es wohl kaum angesagt sein, Sätze mit anderssprachigen Wörtern „aufzupeppen“. Ha, ich habe nicht mit den Deutschen gerechnet! Diese Anzeige von VW habe ich kürzlich im Georgia Straight in Vancouver gesehen:

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„Up to 5.000$ off – Perfekt“. „Perfekt Engineering. Perfekt Price.“ Das sind sie schon wieder, diese Schmerzen.

Zu meinem Erstaunen können die Kanadier aber auch ganz gut panschen. Und zwar mit, wie könnte es auch anders sein, deutschen Wörtern. Es gibt die „Angst“, den „Kindergarten“, den „Doppelgänger“, das „Hinterland“. Ein Ferrari ist „über expensive“ und wenn jemand nießt, wünscht man ihm „Gesundheit“. Da drängt sich doch einem der Verdacht auf, die deutsche Sprache ist wie ein Billigwein aus der Mosel, den man beliebig bis zur Unkenntlichkeit verpanschen kann. Kann sich noch jemand an Schleckers „For You. Vor Ort. “ erinnern?

Auch im Artikel „Obliterate Corporate Art“, den ich kürzlich in einer alten Ausgabe des Coast Mountain Magazine gelesen habe, greift man zu meiner Muttersprache, um den Worten mehr Ausdrucksstärke zu verleihen.

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Dort fordert der Author die Kunstszene auf, sich von der Kommerzialisierung abzukehren:

„Simply make art that isn’t a brand. That ought to cause an existential crisis for the entire industry that equates art with fat-truck tourism. So let’s get this straight: No more ski/snowboard designs. No more skateboards, either. No more bug-eyed anime or washed-out watercolours. Black tusk, especially, is verboten.“

Es scheint als wären wir nicht die Einzigen, die wild Sprachen durcheinandermischen. Das gehört wohl irgendwie zum Wandel der Zeit. Es fällt mir schwer, aber ich werde lernen damit leben zu müssen – besonders jetzt, da wir bald wieder in Deutschland sind.


Abschiedsfeier

Ja, so langsam wird’s ernst! Wir haben schon die Hälfte unserer Möbel verkauft und auch sonst ordentlich ausgemistet. Gestern haben wir eine Abschiedsfeier für unsere kanadischen Freunde gemacht. Natürlich gab es jede Menge deutsche Torten und kanadisches Bier – eine grandiose Kombination. Wir hatten viel Spass:

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Aber so langsam heisst es leider Abschied nehmen von den ganzen Leuten hier. Wir sind sehr dankbar dass wir so viele tolle Menschen kennenlernen konnten. Die Freundschaften hier sind weit tiefer und besser geworden als wir jemals gehofft hatten:

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Der Abschied wird uns nicht leicht fallen.

Aber natürlich freuen wir uns auch schon auf die Heimreise – und auf unsere Familien und Freunde daheim!


Abschied von Vancouver Island

Letztes Wochenende war Thanksgiving. Da der Montag ein Feiertag war, wollten wir es uns nicht nehmen lassen nochmal etwas zu unternehmen. Also sind wir mit Freunden rüber auf die Insel und nach Tofino gefahren. Unsere kanadischen Freunde waren noch nie dort, deshalb sind wir am Samstag erstmal auf Entdeckungstour im Pacific Rim National Park gegangen:

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Wir hatten Glück und das Wetter war, ausser ein paar Regenschauern, relativ stabil.

Natürlich wollten wir unseren Freunden auch den spektakulären Wild Pacific Trail in Ucluelet zeigen. Der machte seinem Namen alle Ehre, denn der Ozean war ziemlich aufgewühlt und schaumig:

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Zwischendurch kam dann sogar für ein paar Momente die Sonne raus:

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Nachdem wir dann noch ein paar Wege durch den urigen Regenwald gelaufen sind, haben wir den Abend mit einem gemütlichen Bier am Strand beschlossen.

Am nächsten Tag sind wir bei strömendem Regen aufgewacht. Das war jedoch nicht weiter schlimm denn es stand surfen auf dem Programm. Und da wird man ja sowieso nass. Unsere super netten Gastgeber haben angeboten mit uns rauszufahren und uns Surfstunden zu geben. Wir mussten diesmal also nur noch die Anzüge und die Bretter mieten.

Und dann ging’s zum North Chesterman Beach. Hier die Damen:

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Und hier die Herren:

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Das Wetter war ziemlich stürmisch, aber am North Chesterman Beach waren die Wellen – verhältnismäßig – etwas kleiner. Obwohl es ein ziemlicher Kampf war gegen die Wellen anzukommen, hatten wir jede Menge Spass. Und bei derart körperlicher Aktivität wird einem auch garantiert nicht kalt! Eine größere Herausforderung als das wilde Meer, war jedoch am Ende wieder aus den engen Anzügen rauszukommen…

Am Montag ging’s dann, bei immer noch strömendem Regen, wieder zurück nach Vancouver. Tschüss Vancouver Island – wir hoffen wir sehen dich irgendwann mal wieder.


False Creek

Unsere Lieblings-Spazierroute geht am False Creek entlang. Das ist eine Meereszunge, die wie ein Fluss aussieht. Daher vermutlich auch der Name „False Creek“ („falscher Bach“). Wir wohnen nur ca. fünf Gehtminuten entfernt, deshalb ist es ideal um auszuspannen und ein bisschen zu laufen:

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Der Weg führt ab einem Yachthafen vorbei, in dem auch Leute auf den Booten leben:

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Besonders Abends ist die Stimmung am False Creek toll, wenn die Sonne im Westen im Meer untergeht:

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Dann gehen drüben am anderen Ufer in Yaletown die Lichter in den Hochhäusern an und man kann nette Bilder machen:

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Bei Dunkelheit sticht besonders die Rogers Arena hervor, das Eishockey-Stadium von Vancouver (ganz rechts am Rand was ein bisschen aussieht wie eine Krone):

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Wenn man Glück hat, kann man hier sogar manchmal eine Robbe oder einen Otter sehen.


Letzter Monat in Kanada

In einem Monat werden wir unsere Zelte in Kanada abbrechen. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Hauptsächlich müssen wir nun all die Dinge, die wir hier gekauft haben, wieder verkaufen. Natürlich wird es uns sehr schwer fallen Kanada, und vor allem unsere Freunde die wir hier gewonnen haben, zu verlassen. Aber wir freuen uns auch wieder nach Hause zu kommen. Die Vorfreude wurde letzten Monat definitiv durch Besuche aus der Heimat gesteigert. Eine Freundin aus London war 1 1/2 Wochen zu Besuch und meine ehemaligen Arbeitskollegen von Inxmail haben auf dem Weg zur JavaOne auch noch bei uns vorbeigeschaut. Über die Besuche haben wir uns sehr gefreut.

Der Winter in Vancouver (=Dauerregen für 5 Monate) wird es uns definitiv leichter machen, uns von dieser tollen Stadt zu verabschieden. Aber davor kommt erst noch Halloween, wo sich die Leute wieder allen möglichen lustigen Kram einfallen lassen:

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Ansonsten werden wir die letzten 31 Tage in Vancouver noch so gut wie möglich geniessen:

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Schade dass unsere Zeit hier schon bald vorbei ist.