Monatsarchiv: Oktober 2013

Graskante

Die Kanadier und die Engländer haben ja so einiges gemeinsam. Schließlich sind die Kanadier immer noch unter der Krone. So teilen sie z.B. auch die Vorliebe für einen gepflegten Rasen. Und Rasen gibt es in Vancouver jede Menge. Hier ein Blick auf unsere Straße:

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Während es dem Deutschen vor einem Kabelsalat graust, ist es beim Kanadier ein unordentlicher Rasen. Und da legt man nicht nur Wert darauf dass dieser ordentlich gemäht ist, nein, auch die „Graskante“ muss stimmen. Sowas wie hier geht z.B. gar nicht:

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Diese Art von anarchistischem Gewucher auf dem Bürgersteig stößt dem Kanadier sauer auf, auch wenn er das natürlich niemals zugeben würde. Denn wie weithin bekannt sind die Kanadier ja immer noch die freundlichsten Menschen der Welt.

Ein Schritt zur Besserung ist erstmal das Gezottel abzuschneiden. Ein Gehweg ist ja schließlich kein Rockkonzert:

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Das ist schonmal gut – nicht zu viel Überstand und eine klare Linie erkennbar.

Aber damit es richtig perfekt ist, muss die Kante schon stimmen. Ich würde sagen die ideale Kantenbreite liegt hier so bei 3 – 5mm. Und so sieht das dann aus:

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Kanadischer Rasen in Vollendung.


Veräppelt

Darauf haben wir schon ein ganzes Jahr gewartet: Letztes Wochenende war endlich wieder das Apple Festival in Vancouver. Das Festival findet im Botanischen Garten der University of British Columbia (UBC) statt. Auf der geräumigen Main Mall herrschte nette herbstliche Stimmung:

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Bei unserem Spaziergang über das riesige Uni Gelände sind wir auf ein Labor zur Meeresbiologie (Aquatic Ecosystem Research Lab) gestoßen. Wir wurden darauf aufmerksam weil man schon von weitem das riesige Blauwal Skelett sehen konnte:

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Nur um ein Gefühl für die Größe zu bekommen: Jeder der beiden Unterkieferknochen ist 8m lang und wiegt 550kg. Was für ein riesen Tier!

Nachdem wir damit fertig waren die Überreste der Kreatur ehrfürchtig zu bewundern, ging’s weiter zum Botanischen Garten. Das Tolle am Apple Festival ist die unglaubliche Vielfalt an Äpfeln. Besonders abgesehen hatten wir es auf die Sorten Boskoop und Topaz, die man sonst in Kanada nicht findet. Anscheinend sind jedoch auch andere Leute scharf auf exotische Apfelsorten. Die Tore des Festivals öffnen um 11:00. Wir waren um 13:00 da und da war der Boskoop schon komplett ausverkauft (obwohl das Festival zwei Tage geht):

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Eine Verkäuferin meinte dass es zugegangen sei wie bei einem Rock Konzert. Um 9:00 hat sich anscheinend schon eine Schlange vor den Toren gebildet. Wir waren froh dass wir wenigstens noch eine ordentliche Ladung Topaz mitnehmen konnten. Damit sollten wir bis Weihnachten durchkommen. 🙂


Head Banging Area

Ich habe, wie bereits gesagt, sehr kreative Arbeitskollegen. Wenn irgendwo etwas fehlt dann zögern sie nicht lange um die Initiative zu ergreifen und das Problem aus der Welt zu schaffen. So habe ich kürzlich in einem unserer Besprechungsräume folgendes an unserer Whiteboard-Wand entdeckt:

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Offenbar wurde die Head Banging Area auch schon ausgiebig genutzt.


Deep Cove Kanutour

Letztes Wochenende haben wir endlich unseren Plan in die Tat umgesetzt und haben uns ein Kanu gemietet. Wir hatten vier Stunden Zeit um die Deep Cove zu erkunden. Das ist die längste Meeresbucht in Vancouver. Wie sich herausgestellt hat sind vier Stunden bei weitem nicht genug um bis ans Ende der Bucht zu paddeln. Aber es waren vier wunderbare Stunden. Wie wir gleich feststellen mussten waren wir nicht die einzigen, die die Idee hatten an einem wunderbar sonnigen Oktober-Sonntag paddeln zu gehen. Aber wir waren die einzigen in einem Kanu. Die meisten Leute fahren hier Kayak oder Stand-Up Paddleboards. Und wer Stand-up Paddleboard fährt scheut auch nicht davor zurück seinen Hund mitzunehmen. Da der Hund im weiten Meer gefahr läuft zu ertrinken und man das auf keinen Fall möchte, trägt er im Normalfall eine Schwimmweste. Erstaunlicherweise sehen die Hunde ganz zufrieden aus.

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Weiter ging’s an der Küste entlang, die trotz steiler Felsen und Wald ziemlich besiedelt ist. Jedes Haus hier hat seinen eigenen Steg und Anlegeplatz.

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Je weiter man paddelt um so unbesiedelter wird es und irgendwann ist man dann alleine mit den Motorbooten und der super schönen Landschaft. In der Ferne sieht man schon frisch verschneite Berge, aber auf dem Wasser ist es angenehm warm. Genau das richtige Wetter um Kanu fahren zu gehen.

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Nach anderthalb Stunden haben wir dann kehrt gemacht und sind auf der beinah unbesiedelten Ostseite der Deep Cove zurück gepaddelt. Auf dieser Seite gibt es keinen Straßenzugang zu den Häusern, ich glaube deshalb gibt es kaum Häuser. Dafür gibt es Bäume die sich mitten in den Felsen bohren. Wie der Baum da überleben kann? Sogar das Wasse ist salzig und trotzdem sieht er ganz gesund aus.

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Ein bischen weiter kommt eine Insel mit öffentlicher Anlegestelle. Also haben wir unser Kanu höchst unprofesionell aber sicher befestigt und sind auf der Insel spazieren gegangen und haben gevespert. Hier der Blick von der Insel – das Haus im Hintergrund ist meiner Meinung nach nur per Boot zu erreichen.

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Und zurück ging’s mitten durch kleine Inseln zum Kanuverleih.

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Zum Schluss hatte ich das Gefühl meine Arme fallen ab. Aber ich denke das gehört dazu und mit ein wenig Übung wird das bestimmt besser. Vielleicht schaffen wir es ja nächsten Sommer eine längere Tour zu machen.


Lecker Truthahn

Gestern war Thanksgiving in Kanada. An diesem Tag erinnert man sich dankbar an die Indianer zurück, die die ersten Siedler mit Essen versorgt, und somit vor dem Hungertod bewahrt haben. Wir wurden von Freunden zum Truthahn-Essen eingeladen:

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Der sieht auf dem Bild jetzt nicht so groß aus, das täuscht aber. Den 15 Pfund schweren Vogel haben wir zu neunt nicht aufgegessen bekommen. Und dann kam natürlich noch der Nachtisch…

Im laufe des Abends haben wir ein interessantes Getränk kennen gelernt: Eggnog. Das ist ein bisschen wie Eierlikör ohne Alkohol. Weil dann ja aber was fehlt kippt man einfach ein bisschen Rum dazu, dann passt’s wieder:

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Gute Kombination. 🙂


Museum of Anthropology

Gestern waren wir im anthropologischen Museum in Vancouver. Dort gibt es Dinge aus aller Welt zu sehen. Besonders interessant sind jedoch die Austellungsstücke der Ureinwohner British Columbias. Hier ist z.B. ein Essenswagen, in dem Gästen das Essen präsentiert wurde:

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Also eine Art indianischer Teewagen, wenn man so will. Beachtlich ist die Zunge in Form eines überdimensionalen Löffels.

Einige Stücke des bekannten, und mittlerweile verstorbenen, Künstlers Bill Reid waren auch ausgestellt:

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Bill Reid hat anscheinend einen wichtigen Beitrag zur indianischen Kunst in BC geleistet.

Es waren auch sehr viele Totempfähle aufgestellt. Den Aussenbereich konnte man auch ohne Eintrittskarte betreten:

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Hier hat man auch einen schönen Ausblick auf West Vancouver. Ganz klein vorne im Bild sieht man den Leuchtturm vom Lighthouse Park. Auf den Bergen im Hintergrund liegt schon Schnee:

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Nach so viel Kunst brummt uns Kulturbanausen natürlich der Schädel. Also erstmal an den Strand.

Am Ufer bei der UBC befindet sich Wreck Beach, der einzige FKK Strand in Vancouver. Dort ist einer der wenigen Stellen in Vancouver wo man einen „tankerfreien“ Blick auf den Pazifik hat. Wir haben jedoch, aus Rücksicht auf unsere Leser, die Hosen oben gelassen:

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Brotnazis

Meine Arbeitskollegen sind nicht wirklich zufrieden mit mir. Ich esse komisch und zu langweilig. Während bei ihnen Burger, Sushi und Fischtentakel aus der Vesperbox schauen, liegt bei mir nur ein Wurstbrötchen auf dem Teller:

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Als sie das zum ersten mal gesehen haben waren alle ganz erstaunt und haben gefragt: „Was ist das?“. Dann habe ich gesagt: „Ein Brötchen mit Butter und Wurst“. Ein erstauntes Raunen geht durch die Runden: „Ahhh“.

Manch einer mag sich ja jetzt fragen was daran so ungewöhnlich ist, schließlich hat man hier ja auch Sandwiches. Ja, aber die sehen ein bisschen anders aus:

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Montreal Smoked Meat Sandwich – Quelle: http://dunnsfamousbc.com

Mehr Belag!

Und normalerweise kauft man sich die Sandwiches hier und macht die nicht selbst. Letztens hat ein Arbeitskollege zu mir gesagt dass es ja echt eine interessante Idee ist sich einfach ein Sandwich selbst zu machen. Tja, wir Deutschen sind halt erfinderisch.

Der nächste Punkt ist der gesundheitliche Aspekt. Ich glaube da lief letztens mal was im Fernsehen, denn plötzlich kamen alle zu mir und sagten: „Alter, dein Essen hat aber echt viel Kohlenhydrate!“ („man, that’s a lot of carbs!“). Und die Kohlenhydrate scheinen hier gerade nicht sonderlich hoch im Kurs zu stehen. Also schaue ich reumütig auf mein Wurstbrot während die Burgerfraktion ungescholten davon kommt. Ich fühle mich ertappt von den Brotnazis.