Monatsarchiv: November 2012

German Christmas Market

Dieses Jahr findet zum zweiten mal der German Christmas Market in Vancouver statt. „Da müssen wir hin“, haben wir uns gedacht. Man wird gleich mit Geschmack und Stil begrüßt:

IMG_5735

Da fühlt man sich doch fast wie daheim. Es gibt sogar ein altes Jahrmarkts-Karussell:

IMG_5749

Die meisten Buden haben Namen wie „Das Waffelhaus“, „Das Schnitzelhaus“ oder „Das Apfelhaus“. Bei „Das Deutsche Nudel Haus“ kann man Kasespätzle mit Speck kaufen. Der Käse wird liebevoll von einem Kanadier (der mit dem Verkauf von „Schupfnudeln“ und „Spätzle“ kein einfaches Los gezogen hat) mit einem Flammenwerfer über die Nudeln geschmolzen:

IMG_5743

Am Ende schmeckt das Ganze dann richtig lecker. Natürlich darf auch der Glühwein nicht fehlen. Mit sechs Dollar und einem Altersnachweis ist man dabei und kann sich einen leckeren, aber etwas kleinen, Glühwein mitten in Vancouver gönnen. Es gibt auf dem Weihnachtsmarkt auch einen Lebkuchenstand, „Das Lebkuchen Haus“. Dort kann man, wie der Name schon sagt, Lebkuchen kaufen. Allerdings sind die Preise dort recht astronomisch. Besonders wenn man die Qualität der Waren kennt:

IMG_5740

Dieses Paket Billiglebkuchen unterster Klasse wird hier z.B. für 10,71$ (zzgl. Steuern) verkauft. Ich schätze mal bei uns kostet das Paket keinen Euro. Insgesamt war der Weihnachtsmarkt zwar recht nett, aber für das hundertprozentige Weihnachsmarkt-Flair haben halt einfach noch die alten Gebäude und die Bürstenverkäufer gefehlt.

Advertisements

Nürnberg lässt Grüßen

Heute ist ein Paket aus Nürnberg für uns angekommen. Es wiegt fast 10kg und hilft uns die Weihnachtszeit in Vancouver zu überstehen:

Jawoll, der Lebkuchen Schmidt liefert auch nach Kanada! Leider mussten wir jedoch feststellen dass sie im Online-Shop nur Dominosteine ohne Marzipan haben. Was ist das denn bitteschön? Ohne Marzipan? Tisk, tisk… Entweder richtig oder gar nicht. Das ist besonders tragisch, weil der Lebkuchen Schmidt die besten Dominosteine macht, die wir kennen. Das liegt wahrscheinlich eben genau daran dass sie richtiges Marzipan verwenden, anstatt der weissen Zuckerpampe die mittlerweile überall drin ist.

Naja, aber wir haben jetzt eine, ich fürchte, übertrieben große Ladung Weihnachtsgebäck. Und zusätzlich hat meine Firma ihren Mitarbeitern an Weihnachten eine Woche extra Urlaub spendiert (das ist anscheinend auch für Kanada sehr aussergewöhnlich). Ich würde mal sagen dann können die Festtage hier ja langsam losgehen. 🙂


Science World

An einem regnerischen Samstag waren wir im Science World in Vancouver. Das erste Auffällige ist das Gebäude – eine riesen Kugel in der ein Kino drin untergebracht ist.

Das Omnimax ist das Kino mit der größten Leinwand weltweit (fünf Stockwerke hoch). Gezeigt werden Naturfilme. Wir haben einen Film über das Nordpolarmeer und Eisbären angesehen. Die riesen Weite kommt auf einer so großen Leinwand richtig gut raus, wir haben uns wie kleine Würmer gefühlt. 🙂

Ansonsten ist das Science World ein riesen Spielplatz für Jung und Alt. Es gibt verschiedene Bereiche. In einem kann man Knobelspiele lösen, in einem anderen kann man Sinnestäuschungen auf den Grund gehen. In der Mitte des ersten Stockwerks werden Experimente vorgeführt.

Dieses Mädchen nimmt gerade an einem Experiment teil. Sie steht auf einem Plastikschemel und hält ihre Hand auf eine Kugel auf deren Oberfläche jede Menge Elektronen geladen werden. Da sehr viele Elektronen auf der Kugel sind suchen sie nach mehr Platz. Die Elektronen können die Kugel nur verlassen, wenn jemand oder etwas leitendes die Kugel berührt. In diesem Fall können die Elektronen die Kugel über die Hand des Mädchens verlassen. Da sie auf einem Plastikschemel steht (nicht leitend) können die Elektronen nicht von ihr runter. Da die Elektronen aber immer mehr Platz suchen belegen sie bald jeden Millimeter des Mädchens, also auch die Haare. Da die Elektronen sich gegenseitig abstoßen stehen ihr die Haare buchstäblich zu Berge. So gab es noch jede Menge anderer Experimente zu beobachten.

In einem anderen Teil kann man sich selbst über Flaschenzüge nach oben heben. Je mehr Flaschengewinde umso leichter wird man…

Hier kann man durch Druck Luftblasen in Wasser vergrößer oder verkleinern.

In einem Raum gab es Tiere und Skelette, hier ein Dinosaurierskelett. Ganz schön beeindruckend groß.

Und so geht es weiter und weiter. Leider war unser Tag zu kurz und wir konnten nicht alles genau untersuchen. Aber es war sehr beeindruckend und interaktiv und ich werde auf jedenfall nochmal vorbei schauen! Also mein Tipp für Regentage in Vancouver: Science World.


As I Lay Dying

Das hier ist das Vogue Theatre in Vancouver:

Gestern Abend haben hier As I Lay Dying im Rahmen der Monster Energy Outbreak Tour  gespielt. Das Konzert war mit 18:00 sehr früh angesetzt. Ich war gegen 17:00 da um noch eine Karte an der Abendkasse zu kaufen. Die riesige Warteschlange von ca. einen Block vor dem Haus hat mich ziemlich überrascht. Noch überraschter war ich als ich realisisert habe dass dies nicht die Schlange für die Abendkasse ist, sondern für die Leute die schon eine Karte haben. Ich habe mich gefragt warum die Leute anstehen. Wird das etwa ein Sitzkonzert? Oder gibt es mehr Karten als Platz im Gebäude ist? Oder lieben die Kanadier es einfach irgendwo Warteschlangen zu bilden? Naja, ich habe mich einfach auch mal hinten angestellt und mich so richtig kanadisch gefühlt.

Nach einer halben Stunden im Kalten hat sich dann was bewegt und nach einer ausgiebigen Sicherheitskontrolle wurde man schliesslich eingelassen. Das Vogue ist ein altes Kino mit Empore. Die ersten paar Sitzreihen waren für dieses Konzert ausgebaut um noch genug Platz für den Moshpit (alias Tanzfläche) zu haben. Von der Empore aus hatte man eine prima Aussicht auf die Bühne im allgemeinen und den Schlagzeuger im besonderen. 🙂 Ich verfolge ja die akutelle Entwicklung der Metal-Szene gerade nicht mehr so inbrünstig, aber die jungen Bands an diesem Abend haben vermutlich so ziemlich das gespielt, was gerade angesagt ist: ein Mix aus Techno, Metalcore und Pop. Das war wirklich interessant anzuhören. Wer hätte gedacht dass sich Slayer und Scooter irgendwann doch noch treffen?

Ich war nur etwas verdutzt als die Jungs von As I Lay Dying die Bühne betreten haben. „Haben die einen neuen Sänger?“, war mein erster Gedanke. Schwer vorstellbar dass Tim Lambesis plötzlich wie eine Plastikspielfigur des amerikanischen Wrestlingsverbands WWF aussieht. Aber tatsächlich: der gute Mann hat wohl beschlossen seine Zeit im Tourbus sinnvoll mit täglichem Muskeltraining und einer geballten Ladung roher Eier zu nutzen. Das Ergebnis ist mit Sicherheit Geschmackssache. Aber ich war ja zum Glück wegen der Musik da. Und As I Lay Dying waren, wie auch schon beim Summer Breeze vor ein paar Jahren, der absolute Hammer. Es gibt wohl wenige Bands im Extrem-Metal-Bereich die ihr Material mit einer solchen Präzision auch live präsentieren können. Jordan Mancino, der Schlagzeuger, ist einfach die Bombe! Mit The Sound of Truth haben sie einen würdevollen Abschluss dieser, leider viel zu kurzen, Show (ca. 40min) geliefert. Grandios!

P.S.: Der Sinn der Eingangs erwähnten Warteschlange hat sich mir bis zum Ende nicht wirklich erschlossen. In Kanada mögen wohl sogar Metalfans Warteschlangen…


Panik!

Wenn in München der Strom ausfällt herrscht Chaos. Wenn in Vancouver in der Innenstadt zur Rush Hour die Ampeln ausfallen kümmert es die Leute recht wenig. Der Verkehr geht fast ungestört weiter wie bisher. An mehrspurigen Kreuzungen fahren erst ein paar Autos aus der einen Richtung, dann wieder ein paar aus der anderen Richtung. Ein stetiger Wechsel in einem gleichmäßigen Rythmus. Die Fussgänger gehen mit dem Fluss der Autos. Es ist faszinierend wie geschmeidig sich die Leute selbst koordinieren. Woran das liegt? Die Leute sind einfach rücksichtsvoller und sind nicht so darauf bedacht das sie selbst am schnellsten ans Ziel kommen. Somit kommen alle schneller ans Ziel. Die Kanadier sind einfach entspannter als die Deutschen. Das ist nicht unbedingt immer besser, aber es ist so.


Remembrance Day

Gestern war in Remembrance Day in Kanada. An diesem Tag wird der Gefallenen im ersten Weltkrieg gedacht. Um diese Zeit sieht man überall in Vancouver Leute die sich diese Blume, genannt „Poppy“, angesteckt haben:

Der Remembrance Day ist dieses Jahr auf einen Sonntag gefallen. Aber das macht nichts denn die Kanadier sind sehr schlaue Leute. Man bekommt dann einfach den Montag frei. Allerdings wird nicht der Feiertag verschoben, sondern man bekommt den verpassten freien Tag nachgeholt. Das ist ein kleiner aber feiner Unterschied, wie wir heute beim Busfahren feststellen mussten. Dort haben die Bestimmungen für Werktag gegolten (der Feiertag war ja gestern). Deshalb durften wir mit meiner Monatskarte doch nicht zu zweit fahren. Weil die Kanadier aber so nett sind hat uns der Busfahrer trotzdem mitgenommen.

Eine Übersicht aller Feiertage in British Columbia gibt es hier.


Deep Cove

Es gibt für Vancouver eine sehr gute Website mit allen möglichen Wanderwegen: www.vancouvertrails.com. Da gestern geniales Wetter war (kein Regen) haben wir beschlossen den Tag in der Natur zu verbringen. Was liegt da näher als eine kleine Wanderung? Wir sind also mit dem Bus nach Deep Cove gefahren, denn an der malerischen Bucht geht der Wanderweg los:

Die Strecke führt einem auf dem „Baden Powell Trail“ (da fühlt man sich als Badener doch gleich wohl :)) ca. 15km lang durch Wald. Man muss dazu einfach diesen kleinen Schildern folgen:

Nach ca. einer halben Stunde steil bergauf kommt man an einen Felsen mit einer tollen Aussicht auf die Bucht:

Weiter geht es durch einsame Wälder mit Bäumen die zum träumen einladen:

Die Luft ist herrlich frisch und der Wald duftet nach – naja, Wald eben. Der Weg gibt sich ziemlich authentisch und zahlreiche Holzstege führen über sumpfige Abschnitte:

Das letzte Stück des Weges sind wir auf dem gleichen Pfad gelaufen wie schon vor ein paar Wochen. Unten im Lynn Canyon beim Wasser war es schon ordentlich kalt und es gab sogar teilweise vereiste Abschnitte auf den Wanderstegen. Das Wasser hat eine eisig grüne Farbe:

Das tolle an der Wanderung war, wir konnten am Schluss nochmal über die Lynn Suspension Bridge laufen. Nur für einen Organic Beef Burger hat’s nicht mehr gereicht – das Café hatte bereits geschlossen.