Monatsarchiv: Oktober 2012

Erster Arbeitstag

Gestern war mein erster Arbeitstag bei Layer 7. Wie immer raucht einem der Kopf vor lauter Infos und neuen Namen – besonders wenn es so ungewohnte Namen sind. Die Firma ist direkt in der Innenstadt:

Mit dem Bus ist es ca. eine halbe Stunde von wo wir wohnen.

Das Arbeiten hier läuft relativ ähnlich ab wie bei uns. Aber es gibt ein paar Besonderheiten wie z.B. Cubicles, den kostenlosen Cola-Automaten, den Bagel-Wednesday und den Tischkicker (heisst hier tatsächlich „Foosball“). Fehlt eigentlich nur noch die Playstation und der Casual Friday. 😉 Ein weiterer Unterschied ist dass in den Verträgen, zumindest im IT-Umfeld, keine Stunden drin stehen. Das ist hier in Nordamerika so üblich und hat mich ziemlich aus dem Konzept gebracht. Wann komme und gehe ich denn dann? Hm, das konnte mir auch keiner so genau sagen. In der Regel ist man anscheinend ganz gut beraten wenn man sich an „9 to 5“ hält – um 9:00 kommen und um 17:00 gehen.


Wohnen in Kanada

Häuser in Nordamerika unterscheiden sich sehr von Häusern in Europa. Der amerikanische Traum vom Haus mit Garten davor setzt voraus dass ein Haus möglichst günstig zu bauen ist. Daher wird viel Holz verwendet:

Das Grundgerüst wird aus Holzbalken zusammengebaut. Auf das Holzgerüst werden dann Holzplatten draufgenagelt:

Soweit ich weiss werden dann innen auch nochmal Holzplatten drangenagelt. Die Isolierung zwischen den beiden Bretterschichten besteht meist aus Luft.

Die Lebenserwartung eines Hauses solcher Bauweise beträgt ca. 30 Jahre. Was nach Ablauf der Lebensdauer passiert konnten wir gestern Abend in unserem Haus (Alter ca. 50 Jahre) beobachten. Dort ist, aufgrund von starkem Regen, Wasser durch die Wohnzimmerdecke getropft.

Das Haus in dem wir gerade wohnen beruht auch auf der typisch nordamerikanischen Bauweise. Typisch für Nordamerika sind Schiebefenster. Davon gibt es zwei Arten: horizontal und vertikal. In unserem Haus ist die horizontale Variante verbaut:

Um das Fenster zu öffnen schiebt man den beweglichen Teil von links nach rechts. Verriegelt wird das Fenster mit einer Art Bolzen, den man mit einer Schraube auf der unteren Fensterschiene fixiert:

Wie man sieht ist hier ein relativ großer Spalt (2mm?) zwischen den beiden Scheiben sodass man auch bei geschlossenem Fenster mit ausreichend Frischluft versorgt wird.

Die Heizung besteht aus einer Art zentralem Heizlüfter, der warme Luft durch Lüftungsschächte pustet. In den Zimmern kommt diese warme Luft dann aus solchen Schlitzen am Boden:

Möchte man in einem Zimmer weniger heizen, kann man die Lamellen schliessen. Wie wir von Kanadiern erfahren haben ist dieses System ist hier ziemlich weit verbreitet.

Auch die Schließsysteme unterscheiden sich von denen in Europa. Während bei uns das Schloss in der Tür sitzt, ist es hier in den Türknauf verbaut:

Um die Tür zu öffnen dreht man den Schlüssel nach links bis zum Anschlag und dann wieder zur Mitte. Dann zieht man den Schlüssel raus. Zum Schliessen der Tür dreht man nach rechts und dann wieder zur Mitte. Ist also genau umgekehrt wie bei uns. 🙂

Unser Herd wirkt auch ein bisschen ungewöhnlich. Bei ihm liegen die Heizspiralen blank:

Sieht ein bisschen aus wie Schneckennudeln, funktioniert aber einwandfrei.


Freiburg

Da es am Montag bei mir mit der Arbeit als Softwareentwickler bei Layer 7 losgeht, wollten wir die letzte freie Woche noch nutzen und haben uns kurzfristig entschlossen nach Freiburg zu fliegen. Das war alles relativ knapp: Am Donnerstag Mittag den Arbeitsvertrag unterschrieben und ein Konto eröffnet, danach zum Flughafen gefahren und einen Flugschein gekauft, am Freitag um 16:00 Uhr in Vancouver abgeflogen und am Samstag um 11:00 Uhr in Frankfurt gelandet. Von Frankfurt hat uns eine gute Freundin nach Freiburg mitgenommen – direkt zur Hochzeit von zwei Freunden und gerade noch rechtzeitig zu Beginn des Traugottesdienstes. So konnten wir noch mit unseren Freunden bei genialstem Freiburger Wetter auf St. Ottilien feiern:

Wir kennen das mit den Heimatbesuchen ja nur von Freunden. Wenn die nach Hause kommen bedeutet das vor allem immer eines: Freizeitstress! Da wird alles durchgeplant und jede freie Minute genutzt um so viel Leute wie möglich zu sehen. Und uns ging es diesmal genau so. Eine Woche ist einfach viel zu kurz und wir konnten leider nicht  alle Leute sehen die wir gerne gesehen hätten. Aber es war schonmal toll wenigstens die zu sehen, die wir gesehen haben.

Und natürlich war es auch schön Freiburg wieder zu sehen. Das ist ja allein visuell schon eine Freude:

Für uns war es ein komisches Gefühl wieder in Deutschland zu sein, vor allem weil es so kurzfristig war. Da konnten wir uns mental gar nicht so richtig darauf vorbereiten. Man fährt durch die Strassen und es fühlt sich erstmal an, als ob man nie weg gewesen wäre. Seltsam. Und man sieht schnell was es in Deutschland alles Tolles gibt – z.B. Aldi. Da haben wir erstmal ca. 10kg Süsszeug gekauft, welches in Kanada schwer bis gar nicht zu beschaffen ist (z.B. das grandiose Schoko & Keks). Leider mussten wir Freiburg dann aber schon wieder viel zu schnell verlassen. Wenigstens haben wir ein paar Andenken aus der Heimat mitnehmen können. Die werden allerdings viel zu schnell aufgegessen sein.


Bewerben in Kanada

Ich bin hier seit 1 1/2 Monaten auf Arbeitssuche. Die gestaltet sich als Softwareentwickler zum Glück relativ einfach, da dies ein sehr internationaler Beruf ist. Das Erste worauf man achten muss ist, dass der Lebenlauf sich vom deutschen unterscheidet. Persönliche Angaben wie Familienstand oder Foto dürfen, wegen dem Gleichheitsgesetz, nicht mit rein. Die größte Herausforderung ist jedoch das Anschreiben. Es ist schon auf deutsch immer so eine Sache, aber auf englisch… Allerdings gibt es hier hilfreiche Vorlagen im Internet sodass man zumindest grob eine Vorstellung von den Formulierungen und dem Aufbau bekommt.

Wenn man für eine Position in Frage kommt, bekommt man meist eine Antwort per E-Mail. Manche rufen aber lieber an, weshalb wir uns ein günstiges Mobiltelefon in Kanada gekauft haben. Die Reaktionszeiten der Firmen lagen zwischen ein paar Stunden und einem Monat und waren unabhängig von der Firmengröße. Zunächst wird ein Termin für ein Telefongespräch vereinbart („phone screening interview“). Das dauert ca. 30 Minuten und kann sehr unterschiedlich sein. Manche Gespräche in diesem Stadium waren mit Recruitern die nur grob abchecken wollten wie das mit dem Visum ist, bei anderen ging es hier schon richtig zur Sache und man musste Fragen zu Alogrithmen, Datenstrukturen, etc.[1] beantworten und auch schon Code schreiben.

Hat man beim Screening gut abgeschnitten bekommt man eine Einladung zum persönlichen Vorstellungsgespräch („in person interview“). Die erste Runde beinhaltet technische Fragen und eine Art Test [2]. War man hier erfolgreich wird ein Termin für das zweite Vorstellungsgespräch vereinbart. Hier gehen meine Erfahrungen auseinander. Man trifft entweder alle möglichen wichtigen Leute oder man wird nochmal technisch intensiver abgeklopft. Oder beides. 🙂

Bei einer Firma stand sogar noch eine dritte Runde an. Die wäre dann mit dem Chef persönlich gewesen. Allerdings hatte ich zu dem Zeitpunkt schon woanders unterschrieben. Nachdem der Vertrag unterschrieben wurde, ruft die Firma bei einem vorherigen Arbeitgeber an und erkundigt sich ob alles in Ordnung war („reference check“). Kann keine der Referenzen innerhalb von ein paar Tagen erreicht werden, ist es möglich dass der Vertrag zurückgezogen wird.

Wie man sich vorstellen kann dauert das Procedere ganz schön lange. Hat man allerdings den Vertrag unterschrieben, kann man in den nächsten Tagen schon mit der Arbeit anfangen.

 

[1] Das können Fragen zum Laufzeitverhalten von Algorithmen oder Charakteristika von Datenstrukturen sein. Oder auch Fragen zu Programmiersprachen, Datenbanken und Frameworks. Ich war jedoch relativ überrascht als mich ein Interviewer plötzlich nach Details der Java Garbage Collection gefragt hat (Young Generation / Old Generation). Man muss hier wirklich auf alles vorbereitet sein. 🙂

[2] Oft beinhalten die Aufgaben einfachere Algorithmen auf die man jedoch gefasst sein muss (in-place string reverse, in-place reverse of linked list, iterations over tree structure, etc.).


Vancouver Apple Festival

Der Herbst hält langsam Einzug in Vancouver und so färben sich die Bäume und die Blätter fallen in bunten Haufen zu Boden:

Heute war im botanischen Garten der Universität (UBC) ein Apfelfest. Als große Freunde der Äpfel sind wir natürlich, trotz tristem Regenwetter, hingefahren um dem langweiligen Einheitsbrei des Supermarktangebots ein Schnippchen zu schlagen.

Man konnte aus über 70 Apfelsorten auswählen und sogar unser Lieblingsapfel, der Topaz, war mit dabei. In Freiburg konnten wir den immer beim Südhof einkaufen, aber in Vancouver haben wir ihn bisher noch nicht gefunden. Obwohl hauptsächlich Sorten aus Nordamerika vertreten waren, gab es auch den ein oder anderen europäischen Apfel. Zum Beispiel „Alkmene“, eine Kreuzung der Sorten Cox’s Orange Pippin und Geheimrat, gezüchtet in den 1930er Jahren. Wenn das mal nicht nach Verschwörung riecht…

Es gab auch Vorführungen wie man Apfelsaft macht, aber das kennen wir ja schon von der Farm. 🙂 Erst Apfelmatsch machen:

Und dann mit dem Wagenheber pressen:

Der Saft kommt dann in die Glasbehälter (unten im Bild) und die Pressrückstände sehen so aus:

Auf der Farm haben wir das immer den Hühnern gegeben, aber ich bin mir sicher man kann das auch sonstwie noch verwenden (z.B. für Apfel-Shampoo oder Duftbäume).

Eine gute Sache am Apfelfest war auch, dass der Besuch des botanischen Gartens im Eintrittspreis von 4$ mit inbegriffen war. Obwohl die meisten Blumen nicht mehr geblüht haben, gab es doch noch die ein oder anderen die noch aktiv waren:

Aber auch ohne Blüten haben sich die Pflanzen von ihrer schönsten Seite präsentiert:

Eine bunte Vielfalt:

Herbst in Vancouver ist nicht nur nass, sondern auch nett anzusehen:


Thanksgiving

Heute ist in Kanada Thanksgiving. Das ist hier ein ofizieller Feiertag und da die Kanadier schlau sind haben sie den Feiertag auf einen Montag gelegt damit man ein langes Wochenende hat. Das ist hier so üblich, Feiertage werden auf Montag oder Freitag verlegt (eine Ausnahme ist Weihnachten, das ist auch hier am 25. und 26. 12.). Aber ansonsten sind die Kanadier ganz für lange Wochenenden. 🙂

An Thanksgiving gibt es traditionellerweise einen Truthahn. Da ich noch nie einen Truthan gestopft und gebraten habe, dachten wir damit fangen wir jetzt auch nicht an – wer soll denn den dann essen?  Am Sonntag aber, ganz spontan, sind wir zum Thanksgiving Truthan essen eingeladen worden! Juhu, doch noch Truthahn! Wir waren mit einigen anderen eingeladen und saßen an einer rießen Tafel mit sehr vielen uns unbekannten Speisen (die haben wir nicht fotografiert nur die Tafel).

Das seltsamste war Süßkartoffelbrei mit Marshmallows drauf. Ich müßte es wahrscheinlich noch ein Paar mal essen, um zu wissen, ob ich das jetzt gut finde oder nicht… Der Truthahn war aber auf jedenfall sehr lecker. Und wir haben uns rießig über unsere erste richtig kanadische Essenseinladung gefreut.


Lynn Park

In Vancouver gibt es eine sehr berühmte Hängebrücke: die Capilano Suspension Bridge. Da wir allerdings keine 33$ pro Person(!) zahlen wollten, sind wir lieber zur kostenlosen Alternative gegangen, der Lynn Suspension Bridge. Diese liegt im Lynn Park in North Vancouver. Im Lynn Park führen Wanderwege durch einen sumpfigen Wald:

Man läuft an einem Fluss entlang, dessen Flussbett weiter nördlich dann zur Schlucht wird:

Nach einer Weile sind wir bei den Twin Falls vorbeigekommen. Dort führt eine Brücke über die Schlucht. Das Wasser ist so klar dass man von der Brücke den Boden des Flusses sieht:

Aber das war ja noch nicht die Hängebrücke. Deshalb sind wir noch ein bisschen weitergelaufen und haben, nach einer ordentlichen Stärkung in der Ranger Station mit lokalem Organic Beef Burger (was sonst?), die Hängebrücke in Angriff genommen. Diese befindet sich ziemlich direkt bei der Ranger Station und man kann sie nicht verfehlen:

Obwohl die Hängebrücke nicht so hoch und lang ist wie die Capilano Suspension Bridge, ist sie doch sehr beeindruckend – besonders wenn man, wie wir, latente Höhenangst hat. 🙂 Der Ausblick ist genial und die Schlucht ist wirklich sehr schön:

Prädikat: Sehr empfehlenswert.