Monatsarchiv: September 2012

Freiheit

Nach vielen Wochen in Abhängigkeit des Erdöls sind wir nun wieder freie Bürger! Nachdem der erste Versuch, über Craigslist ein Fahrrad zu kaufen, damit endete dass uns kiffende Gestalten einen Haufen Schrott für 60$ andrehen wollten, hatten wir beim zweiten mal mehr Glück. Für nur 156$ haben wir diese beiden Fahrräder von einem englischen Fahrrad-Techniker erstanden:

Wir nennen sie, im Andenken an unsere Freiburger Freunde bei Watermark, „Pink Thunder“ und „Black Lightning“. Da in Vancouver Helmpflicht herrscht mussten nur noch Helme und Fahrradschlösser her. Seitdem sind wir wieder „ordentlich“ mobil. Vancouver ist ausserdem eine Fahrrad-freundliche Stadt. Es gibt relativ viele Radwege und es ist auch nicht all zu steil (zumindest wenn man im Westen bleibt).

Ausserdem hatten wir noch einen Grund zum Feiern: Ursel ist seit gestern stolzer Besitzer eines kanadischen L-Führerscheins („Learner“). Damit darf sie zwischen 5:00 und 24:00 Uhr Auto fahren solange jemand mit kanadischem Führerschein daneben sitzt. Um den kanadischen L-Führerschein zu bekommen ist sie zur Führerscheinstelle gegangen, hat 25$ auf den Tisch gelegt, einen Augentest gemacht und anschließend erfolgreich die Theorieprüfung absolviert. Dazu muss man aus 50 Fragen, 40 korrekt beantworten. Jetzt brauchen wir nur noch ein Auto – und viel Bewahrung… 😉

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Einheitliche Verwirrung

Wir sind ja hier in Nordamerika. Hier ist alles ein bisschen anders wie bei uns daheim. Für uns sind nicht nur die Landschaften und die Leute aufregend, sondern auch die Einheiten. In Europa ist das relativ langweilig:

  • 1 km = 1000 m, 1 m = 100 cm
  • 1 kg = 1000 g
  • 1 l = 1 dm³
  • 0°C -> Wasser gefriert, 100°C -> Wasser kocht

In Nordamerika ist das mit dem imperialen System aber richtig aufregend:

  • 1 mile = 1 760 yards, 1 yard = 3 feet, 1 foot = 12 inches
  • 1 pound = 16 ounces
  • 1 gallon = 8 pint,  1 pint = 16 fluid ounces
  • 0°F -> Fahrenheit wählte als Nullpunkt seiner Temperaturskala die tiefste Temperatur des strengen Winters 1708/1709 in seiner Heimatstadt Danzig

Ihr seht also gleich warum die Nordamerikaner so gut in Mathe sind: Während wir nur stupide Nullen streichen oder hinzufügen rechnen sie ständig um. Sogar im Supermarkt. Dort ist nämlich der angeschriebene Preis ohne Mehrwertsteuer. Die kommt, je nach Staat oder Provinz unterschiedlich, noch oben drauf. In Kanada hat man, im Gegensatz zur USA, allerdings das metrische System. Dort fährt man dann wieder 90 km/h auf der Autobahn und in den Milchkanistern sind 4 Liter drin. Allerdings scheint hier und da der amerikanische Einfluss durch und man wird z.B. gefragt wie groß man, in Fuß, ist. Da geht’s dann schon wieder los mit dem umrechnen.


Ein letzter Rest Sommer

Nach vier Monaten Sonne, Sommer und Strand klingt der Sommer langsam aus und geht über in den Herbst. Ich liebe die Sonne und das gute Wetter, daher stimmt es mich ein wenig traurig dass der Herbst nun kommt. Andererseits ist es an der Zeit und ich würde das schlechte Wetter vermissen. Bis vor ein paar Tagen war hier in Vancouver unglaublicherweise noch Sommer. Ich konnte sogar nochmal im Meer baden gehen.

In Vancouver gibt es Strand mitten in der Stadt! Das muss man natürlich ausnutzen. Der kleine Punkt bin übrigens ich. 🙂

Nach zwei bewölkten Tagen haben wir heute wieder Sonnenschein. Leider sind die Temperaturen nicht mehr ganz so hoch, aber vielleicht kommt der Sommer noch ein lettes Mal zurück, bevor Herbst und Winter einzug halten.


Grouse Mountain

Da wir in Vancouver, neben dem Meer, reichlich Berge vor der Haustüre haben, haben wir beschlossen an diesem sonnigen Sonntag den Hausberg von Vancouver zu besuchen: den Grouse Mountain. Da der Aufstieg auf diesen 1250m hohen Berg mit der Seilbahn uns zu langweilig erschien (und 40$ kostet), haben wir beschlossen die Variante für Sportliche zu machen: den Grouse Grind. Aus unerfindlichen Gründen ist dieser Pfad sehr beliebt bei Touristen und der lokalen Bevölkerung. Er ist nämlich vor allem eines: extrem steil. Trotz seiner geringen Länge von unter 3km sind die durchgängigen 30% Steigung nicht zu verachten. Der ganze Pfad besteht faktisch nur aus Treppenstufen:

Der Kölner Dom ist Kindergarten dagegen. Der Pfad stellt für viele Extrem-Sportler eine besondere Herausforderung dar. Wir haben für den Aufstieg ca. 1:40h gebraucht. Der Rekord im Aufstieg liegt bei 23min. Respekt!

Wenn man allerdings oben ankommt fühlt man sich ganz großartig. Und unglaublich fertig! Der Ausblick auf Vancouver ist gigantisch:

Leider sind die Photos etwas diesig. Man sieht North-Vancouver, den Stanley-Park, die Innenstadt (nicht auf dem Bild) und ganz viel Meer. 🙂 Der Ausblick von der anderen Seite zeigt das Fraser-Valley und, im Hintergrund, Mount Baker:

Auf dem Gipfel sieht man, bedingt durch die ethnische Durchmischtheit der Stadt, manchmal lustige Bilder. Wie z.B. die „Schwarzwald Inder“:

Es wird dort oben auch jede Menge Unterhaltungsprogramm angeboten. Wir haben eine Lumberjack Show gesehen. Darin zeigen kanadische Holzfäller was sie so drauf haben. Es gibt verschiedene Disziplinen wie z.B. Axtwerfen:

Oder Baumstamm klettern:

Auch interessant war die „Predator-Show“ bei der heimische Raubvögel vorgestellt wurden, hier ein Falke:

Sehr beeindruckend war auch der amerikanische Bald Eagle:

Mit etwas Glück konnten wir sogar Grizzly Bären entdecken. Das war natürlich der Höhepunkt des Tages:

Allerdings waren diese in einem weitläufigen Gehege – sonst wären wir vermutl. nicht so nah rangegangen. Wir wollen ja nicht als Bärenfutter enden. 🙂


Wieder in Vancouver

Nachdem unsere spannende Zeit als WWOOFer in Kanada zu Ende ist, sind wir am Donnerstag wieder in Vancouver angekommen. Wir sind nochmals im gleichen Appartment wie schon in unserer ersten Woche in Vancouver. Es ist toll wieder ein eigenes kleines Reich zu haben und vor allem selbst kochen zu können. Zum Beispiel einen Kartoffel-Auflauf:

Jetzt können wir so richtig mit der Arbeitssuche loslegen. Und nebenher können wir diese tolle Stadt erkunden:


Kurzer Knarren-Nachtrag

Frank hat tollerweise ein Bild von der Knarre neben dem Puppenwagen gemacht…

Hier kommt’s:


Melken

Eine Sache, die ich auf der Goatspride Farm gelernt habe, ist das Melken. Ich habe davor noch nie irgendein Tier gemolken, daher war die Erfahrung total neu für mich. Zum einen war ich erstaunt welche Schritte man einhalten muß um Milch verkaufen zu dürfen und zum andern war ich erstaunt, wie schwer es ist, Milch aus einer Ziege zu bekommen.

Erstmal zu den einzelnen Schritten. Man fängt an alle Ziegen zusammen zu treiben. Das geht ganz einfach wenn die Ziegen einen kennen und wissen: auf diesen Menschen sollte ich eher hören. Es ist extrem kompliziert wenn die Ziegen einen nicht kennen und erstmal ausprobieren was man wohl so tut wenn sie nicht hören. Daher war mein zweites mal melken ziemlich schweißtreibend – meine Aufgabe war es die Ziegen zu sammeln. Zum Glück gewöhnen sich Ziegen ziemlich schnell – beim vierten und letzten mal melken sind sie fast von alleine los gegangen. Hat man alle versammelt, lässt man ein paar (in unserem Fall zehn) in den Raum zum melken. Wenn zu viele durch die Falltür gekommen sind muß man sie wieder zurück treiben. Auch ein wunderbarer Spaß… Dann wäscht man ihnen den Euter. Es ist schon erstaunlich wie dreckig die in einem halben Tag werden. Danach geht es los mit dem anmelken. Aus jeder Zitze muß ein wenig Milch raus gepresst werden damit man sieht ob die Milch gut ist. Diese Milch wird nicht verkauft, sondern wird an die Katzen verfüttert. Das Anmelken ist der schwerste Teil, da die Milch noch nicht fließt und alles noch geschlossen ist. Bei meinem ersten Versuch hatte ich ziemliche Probleme. Dann kommen die Ziegen an die Melkmaschine, danach darf man sie fertig melken. Das war für mich immer der schönste Teil beim melken.

Denn da kommt sogar bei einem blutigen Anfänger immer etwas Milch heraus. 🙂

Zum melken muß ich sagen dass ich ganz falsche Vorstellungen hatte wie man melkt. Ich dachte immer man drückt und schiebt nach unten, das stimmt aber so überhaupt nicht (zumindest nicht bei Ziegen). Hier ist es vielmer so, dass man oben direkt an der Stelle an der die Zitze anfängt den Milchkanal abdrückt und dann indem man die restliche Finger zur Faust schließt die Milch herauspresst. Das wiederholt man bis keine Milch mehr kommt. Hört sich einfach an ist aber ziemlich anstrengend für die Hände und braucht einige Übung. Beim letzten Mal hatte ich dann den Eindruck jetzt kann ich es endlich. 🙂

Nachdem die Ziegen gemolken sind werden die Euter mit irgendwas antibakteriellem eingesprüht damit die Ziegen nicht krank werden. Es dauert wohl ca. eine Stunde bis sich der Euter wieder komplett schließt.